Golubkows Methodik

Stufen der Systemanalyse nach E. P. Golubkow

  1. Problemformulierung
  2. Untersuchung
  3. Analyse
  4. Vorläufige Beurteilung
  5. Bestätigung
  6. Endgültige Beurteilung
  7. Umsetzung der getroffenen Entscheidung

Die Systemanalyse wird üblicherweise durch iterative Annäherung an die geforderten Ergebnisse durchgeführt und umfasst folgende Stufen (Prozeduren).

1. Problemformulierung

Diese Stufe umfasst die Festlegung der Endziele und des Spektrums der zu lösenden Fragen, die Analyse der Bedingungen, unter denen das System arbeitet, sowie die Festlegung der Restriktionen, die den Betriebsbedingungen des Systems auferlegt werden.

2. Untersuchung

Die für die Lösung des Problems notwendigen Daten werden ermittelt, analysiert und zusammengeführt; die Struktur des zu analysierenden Systems (Problems) wird untersucht; Zusammenhänge werden festgestellt; und verschiedene Handlungsmöglichkeiten zur Lösung des Problems werden identifiziert. Bei der vorläufigen Problemanalyse sollte man bestrebt sein, die umfassendste Menge möglicher Lösungen zu ermitteln.

Üblicherweise gibt es mehrere unterschiedliche Möglichkeiten, die Ziele zu erreichen. In diesem Fall ist es in der Untersuchungsstufe notwendig, Optionen für eine eingehende Prüfung in den nachfolgenden Analysestufen auszuwählen und dabei offensichtlich irrationale Handlungsweisen auszuschließen. Fachleute der Systemanalyse sollten, um einen einseitigen fachbereichsbezogenen Ansatz zu vermeiden, mit verschiedenen Sichtweisen auf das zu lösende Problem vertraut sein.

Moderne Planungs- und Managementprobleme sind komplex, und ihre Lösung erfordert die Berücksichtigung der gesamten Menge der wesentlichen Einflussfaktoren. Eine Vereinfachung der Aufgabe auf die Betrachtung einzelner Elemente unter Vernachlässigung ihrer Zusammenhänge führt zu falschen Entscheidungen. Die umfassendsten Ergebnisse sind zu erwarten, wenn die die Systemanalyse durchführende Forschungsgruppe einen Spezialisten umfasst, der zumindest ein allgemeines Verständnis des Problems als Ganzes hat.

Die ersten beiden Stufen sind am wenigsten formalisierbar. Bei der Festlegung der Tätigkeitsziele und der Wege zu ihrer Erreichung muss man sich in höchstem Maße auf kreatives Denken, frühere Arbeitserfahrung und die Intuition der Fachleute stützen, die die Systemanalyse durchführen und die Entscheidung treffen.

3. Analyse

Diese Stufe umfasst die Erstellung von Modellen, die Auswahl von Wirksamkeitskriterien und deren Anwendung zur Prognose der Folgen der Wahl einer bestimmten Handlungsweise sowie den Vergleich verschiedener Lösungsoptionen im Hinblick auf diese Folgen. Da Modelle für einen bestimmten Bereich der Parametervariation erstellt werden, sollte die Analyse der Ergebnisse innerhalb dieser Grenzen durchgeführt werden.

Wirtschaftsmathematische Methoden und Modelle besitzen große Möglichkeiten; man darf jedoch nicht vergessen, dass sie in Verbindung mit informellen Methoden der Systemanalyse angewandt werden müssen, da das Problem sonst so weit vereinfacht oder sogar verzerrt werden kann, dass es seinen praktischen Wert verliert. Manche Probleme lassen sich nur mit informellen Verfahren lösen.

Als Ergebnis der vergleichenden Analyse verschiedener Optionen zur Lösung der entstandenen Probleme werden Empfehlungen für den Entscheidungsträger entwickelt. Dies ist im Grunde das Produkt der Systemanalyse. Die Betrachtung des Systemanalyseprozesses wäre jedoch ohne eine kurze Beschreibung der nachfolgenden Stufen der praktischen Umsetzung ihrer Empfehlungen unvollständig.

4–5. Vorläufige Beurteilung und Bestätigung der getroffenen Entscheidungen

Auf der Grundlage der in der zweiten und dritten Stufe der Systemanalyse gewonnenen Daten sowie sonstiger verfügbarer Informationen werden die besten Wege zur Zielerreichung ausgewählt und Schlussfolgerungen und Empfehlungen zur Handlungsweise entwickelt. Wie oben erwähnt, kann der Entscheidungsträger bei der Wahl einer bestimmten Lösungsoption zusätzliche Faktoren berücksichtigen, die den Systemanalytikern unbekannt sind.

6. Endgültige Beurteilung (endgültige Auswahl der besten Lösungsoption)

Diese erfolgt auf der Grundlage der experimentellen Überprüfung der Ergebnisse der vierten Analysestufe.

7. Umsetzung der getroffenen Entscheidung

Die getroffene Entscheidung wird den für die Umsetzung Verantwortlichen mitgeteilt, ihre Durchführung und Überwachung werden organisiert, und erforderlichenfalls werden Korrekturen an der Entscheidung vorgenommen.

Jede Analyse enthält in mehr oder minder starkem Maße diese sieben Stufen. Die erste Stufe wird gemeinsam vom Entscheidungsträger und den die Entscheidung Vorbereitenden (Systemanalytikern) durchgeführt. Die Untersuchungs- und Analysestufen werden von Systemanalytikern durchgeführt. Die vierte und sechste Stufe der Systemanalyse werden üblicherweise von der entscheidungsbefugten Führungskraft durchgeführt, während die fünfte von den Analytikern durch Simulation durchgeführt werden kann oder auch gar nicht durchgeführt wird.

Das oben Dargestellte zeigt eine recht klare Trennung zwischen den Stufen. In der Praxis besteht eine solch klare Trennung selten, da die Stufen in gewissem Maße parallel durchgeführt werden. Die beschriebene Abfolge der Stufen der Systemanalyse beschränkt sich üblicherweise nicht auf eine einzige Iteration. Selten kann ein Problem beim ersten Versuch gelöst werden. Eine Rückkehr von jeder Analysestufe zu vorangehenden Stufen ist möglich. Somit ist die Systemanalyse ein iterativer Prozess. Daher ist es während der Analyse notwendig, flexibel zu bleiben, die Ergebnisse neu zu bewerten und in manchen Fällen die ursprünglich in die Analyse eingebrachten Vorstellungen zu überarbeiten. Solche Neubewertungen der Ergebnisse sollten nicht als vergeudete Mühe angesehen werden. Natürlich sind ständige Änderungen der Ziele, Wege und Mittel zu ihrer Erreichung unzulässig, da sie eine klare Orientierung erschweren. Ebenso gefährlich ist jedoch das Bestreben, ein gegebenes Problem entgegen dem tatsächlichen Gang der Ereignisse zu lösen.