Rationale Wahl
Rationale Wahl ist ein Entscheidungsprozess, bei dem ein Subjekt (der Entscheidungsträger) diejenige Option wählt, die seinen individuellen Präferenzen, Zielen und Beschränkungen am besten entspricht. Das Konzept der rationalen Wahl basiert auf der Annahme, dass das Verhalten des Subjekts beim Vergleichen und Auswählen von Alternativen vernünftig und konsistent ist.
Allgemeine Charakteristik
Die Theorie der rationalen Wahl besagt, dass jeder Entscheidungsträger über Folgendes verfügt:
- ein Präferenzsystem, das den Vergleich von Alternativen ermöglicht;
- die Fähigkeit, intern konsistente Entscheidungen zu treffen;
- das Bestreben, die seiner Meinung nach beste Option auszuwählen.
Im einfachsten Fall bedeutet eine rationale Wahl die Bevorzugung der Alternative, die gemäß dem subjektiven Wertesystem den größten Nutzen oder Vorteil bietet.
Axiome der Rationalität
Rationalität wird in der Entscheidungstheorie oft durch die Erfüllung der folgenden Axiome definiert:
- Vollständigkeit — Zwei beliebige Alternativen sind vergleichbar (A wird B vorgezogen, B wird A vorgezogen oder sie sind gleichwertig);
- Transitivität — Wenn A gegenüber B und B gegenüber C bevorzugt wird, dann wird auch A gegenüber C bevorzugt;
- Unabhängigkeit von irrelevanten Alternativen — Die Wahl zwischen A und B sollte nicht von der Existenz anderer Alternativen abhängen;
- Stetigkeit — Präferenzen bleiben bei geringfügigen Änderungen der Parameter erhalten.
Individuelle Rationalität
Individuelle Rationalität impliziert die Subjektivität der Wahl. Verschiedene Entscheidungsträger können dieselben Optionen aufgrund unterschiedlicher Ziele, Einstellungen, Erfahrungen und verfügbarer Informationen unterschiedlich bewerten. Dabei schließt rationales Verhalten die Nutzung von Intuition, Heuristiken und qualitativen Bewertungen nicht aus, sofern diese der Logik und der konsistenten Argumentation des Subjekts entsprechen.
Begrenzte Rationalität
In der Praxis weicht das Verhalten von Entscheidungsträgern oft aus folgenden Gründen von idealen Rationalitätsmodellen ab:
- unvollständige oder ungenaue Informationen;
- begrenzte Zeit für die Entscheidungsfindung;
- kognitive Verzerrungen;
- psychologische und emotionale Faktoren.
Solche Abweichungen werden im Rahmen des Konzepts der begrenzten Rationalität (bounded rationality) untersucht, das von Herbert Simon vorgeschlagen wurde. Gemäß diesem Konzept strebt der Mensch nicht nach Maximierung, sondern nach dem Erreichen eines „ausreichend guten“ Ergebnisses (Satisficing-Prinzip).
Rationale Wahl und Optimalität
Obwohl die rationale Wahl oft mit der optimalen Wahl gleichgesetzt wird, gibt es einen Unterschied zwischen ihnen:
- Die optimale Wahl basiert auf objektiven Kriterien und strengen Bewertungsmodellen;
- Die Rationale Wahl ist eine subjektiv begründete Wahl, die der inneren Logik des Entscheidungsträgers entspricht, auch wenn sie nach formalen Kriterien nicht optimal ist.
Rationale Wahl im Kollektiv
Bei Aufgaben der kollektiven Entscheidungsfindung führt die Aggregation individueller rationaler Präferenzen möglicherweise nicht zu einer rationalen kollektiven Wahl. Dies liegt insbesondere am Arrow-Theorem, wonach es kein ideales Verfahren für kollektive Entscheidungen gibt, das alle Rationalitätskriterien erfüllt.
Anwendung
Das Modell der rationalen Wahl wird in verschiedenen Disziplinen angewendet:
- Wirtschaftswissenschaft — Theorie des Konsumentenverhaltens, Wahl bei begrenzten Ressourcen;
- Politikwissenschaft — Analyse des Verhaltens von Wählern und politischen Akteuren;
- Soziologie — Erklärung sozialer Normen und Abweichungen;
- Psychologie — kognitive Prozesse und Entscheidungsmechanismen;
- Management — Begründung von Managemententscheidungen.
Siehe auch
- Optimale Wahl
- Nutzentheorie
- Entscheidungsfindung
- Kognitive Verzerrungen
- Kollektive Wahl