Bewertung von Varianten
Bewertung von Varianten — ist ein entscheidender Schritt im Prozess der Entscheidungsfindung, bei dem ein Entscheidungsträger (ET) seine Präferenzen bezüglich möglicher Alternativen identifiziert und formuliert, indem er sie anhand relevanter Merkmale und Eigenschaften vergleicht. Dieser Schritt geht der eigentlichen Wahl voraus und schafft die Grundlage für eine fundierte Entscheidung.
Die Bewertung von Varianten stützt sich auf ein System von Kriterien und Skalen. Skalen ermöglichen die Formalisierung der Eigenschaften von Varianten, während Kriterien die wichtigen Aspekte widerspiegeln, nach denen sie verglichen werden. Je nach Situation kommen verschiedene Arten von Skalen zur Anwendung: von einfachen (z. B. Klassifizierung oder Rangordnung) bis hin zu komplexeren (z. B. Bewertung der relativen Attraktivität).
Klassifikation der Methoden zur Bewertung von Varianten
Methoden zur Bewertung von Varianten sind Instrumente, die es ermöglichen, die Präferenzen eines Entscheidungsträgers (ET) zu formalisieren, Alternativen zu ordnen oder eine Rangfolge zu erstellen, die besten unter ihnen zu identifizieren oder akzeptable zu bestimmen. Die Methoden unterscheiden sich nach der Art der verwendeten Informationen, der Form des Präferenzausdrucks, dem Grad der Formalisierung, der Anzahl der Kriterien und anderen Grundlagen.
1. Nach der Art der verwendeten Informationen
- Quantitative Methoden werden angewendet, wenn die Merkmale der Varianten numerisch dargestellt sind. Diese Methoden basieren auf messbaren Parametern wie Kosten, Zeit oder Leistung. Sie ermöglichen die Verwendung von Intervall- und Verhältnisskalen sowie die Durchführung von Berechnungen (z. B. gewichtete Summen, Normalisierung, Aggregation).
- Qualitative Methoden werden angewendet, wenn Informationen in verbaler oder subjektiver Form vorliegen. Es werden Nominal- und Ordinalskalen verwendet, und die Bewertungen selbst erfolgen durch Expertenurteile, Fragebögen oder linguistische Skalen (z. B. „hohes Niveau“, „zufriedenstellend“, „geringes Risiko“).
- Gemischte Methoden kombinieren numerische und verbale Informationen. Sie werden häufig bei der multikriteriellen Bewertung eingesetzt, bei der ein Teil der Kriterien quantitativ und ein anderer Teil qualitativ ist. Beispielsweise ermöglicht der Analytic Hierarchy Process (AHP), verbale Bewertungen durch paarweise Vergleiche in eine numerische Form umzuwandeln.
2. Nach der Form des Präferenzausdrucks des ET
- Rangordnungsverfahren beinhalten die Anordnung aller Varianten nach ihrer Präferenz, ohne anzugeben, wie viel besser eine Variante als eine andere ist.
- Methoden des paarweisen Vergleichs ermöglichen die Ermittlung von Präferenzen durch den paarweisen Vergleich von Alternativen. Sie werden sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Form angewendet. Die Grundlage der Methode kann eine Vergleichsmatrix sein, die widerspiegelt, welche der beiden Varianten bevorzugt wird und in welchem Maße.
- Skalenbasierte Bewertungsmethoden verwenden numerische oder symbolische Skalen, um den Ausprägungsgrad von Merkmalen auszudrücken. Die Wahl des Skalentyps (Nominal-, Ordinal-, Intervall- oder Verhältnisskala) hängt von der Art des Kriteriums ab.
- Methoden mit einem einzigen Kriterium (Aggregation) fassen die Merkmale von Varianten zu einer einzigen verallgemeinerten Bewertung zusammen – einer Zielfunktion, Nutzenfunktion, Wertfunktion usw. Sie werden in der Regel angewendet, wenn die optimale Variante anhand einer integralen Eigenschaft ausgewählt werden muss.
3. Nach dem Grad der Formalisierung der Methode
- Formalisierte Methoden basieren auf klaren Algorithmen und Vorgehensweisen und lassen sich automatisieren. Dazu gehören beispielsweise Methoden der Kriterienaggregation, der multikriteriellen Optimierung sowie nutzen- und skalenbasierte Methoden.
- Nicht-formalisierte Methoden basieren auf einer intuitiven oder expertenbasierten Bewertung ohne strenge Berechnungsverfahren. Sie werden bei schlecht strukturierten Problemen oder wenn eine Formalisierung der Präferenzen nicht möglich ist, eingesetzt (z. B. die Delphi-Methode, Brainstorming, heuristische Regeln).
- Kombinierte (hybride) Methoden verbinden formale Berechnungen mit der Möglichkeit, Bewertungen im Laufe der Interaktion mit dem ET oder Experten anzupassen. Ein Beispiel sind interaktive Verfahren, bei denen der ET seine Präferenzen während der Analyse von Zwischenergebnissen präzisiert.
4. Nach der Anzahl der bewerteten Kriterien
- Einkriterielle Methoden gehen davon aus, dass die Wahl nach einem einzigen, vorab festgelegten Kriterium erfolgt. Dies können einfache Vergleiche anhand einer Zielgröße sein: Preis, Effizienz, Zeit usw.
- Multikriterielle Methoden berücksichtigen mehrere Kriterien gleichzeitig, auch solche unterschiedlicher Art (z. B. Kosten, Zuverlässigkeit, Qualität). Solche Methoden umfassen Verfahren zur Normalisierung, Gewichtung von Kriterien, Aggregation und Kompromissfindung.
5. Nach dem Grad der Beteiligung des ET am Bewertungsprozess
- Automatische (axiomatische) Methoden erfordern nach der Eingabe der Ausgangsdaten keine Beteiligung des ET. Die Entscheidung wird auf der Grundlage vordefinierter formaler Regeln (z. B. einer Nutzenfunktion oder der Logik von Auswahlaxiomen) getroffen.
- Interaktive Methoden sehen eine schrittweise Beteiligung des ET vor: In jeder Phase kann er die vorgeschlagenen Alternativen bewerten, die Aufgabenparameter ändern oder seine Präferenzen präzisieren. Diese Methoden sind besonders nützlich bei der multikriteriellen Auswahl.
- Hybride Methoden kombinieren automatisierte Verfahren mit der Möglichkeit des Eingreifens von Experten. Beispielsweise kann das Ergebnis bei Ranking- oder Clustering-Verfahren auf der Grundlage von Expertenkommentaren korrigiert werden.
6. Nach dem Grad der Informationssicherheit
- Methoden unter Sicherheit gehen davon aus, dass alle Informationen über die Varianten exakt bekannt sind und keine Zweifel aufkommen lassen.
- Methoden unter Risiko berücksichtigen die probabilistische Natur der Ergebnisse (z. B. erwarteter Wert, Kriterium der maximalen Erfolgswahrscheinlichkeit).
- Methoden unter Unsicherheit werden angewendet, wenn genaue Informationen über die Konsequenzen fehlen und man auf subjektive Schätzungen, Szenarioanalysen und Expertenhypothesen zurückgreifen muss.